Hornhautentzündung (Keratitis): Ursachen, Symptome und Behandlung

Von |Published On: August 3rd, 2026|9,3 min read|Last Updated: August 2nd, 2026|

Eine Hornhautentzündung, medizinisch Keratitis, betrifft den durchsichtigen Teil der äußeren Augenhaut. Diese klare Schicht liegt vor Pupille und Iris und bündelt einfallendes Licht auf die Netzhaut.

Sie ist hochempfindlich, denn die Hornhaut enthält zahlreiche kleine Nervenenden. Genau deshalb schmerzt eine Entzündung so stark.

Die häufigste Ursache sind Bakterien. Eine bakterielle Keratitis gilt als augenärztlicher Notfall.

Der Grund liegt im Verlauf: Unbehandelt kann die Entzündung von Ulzerationen über eine Perforation bis zur Endophthalmitis fortschreiten – im Extremfall bis zur Erblindung.

Kontaktlinsenträger sind besonders gefährdet. Die Linse schwimmt auf dem Tränenfilm, senkt die Abwehr der Hornhaut und wird schnell zum „Brutkasten für Keime“.

Ein akut gerötetes, schmerzendes Auge mit nachlassender Sehkraft gehört deshalb immer in augenärztliche Untersuchung.

Hier erfahren Sie, woran Sie eine Hornhautentzündung erkennen, welche Ursachen dahinterstecken und was die Heilung beschleunigt.

Das erfahren Sie hier

  • Woran Sie eine Hornhautentzündung von einer harmlosen Augenreizung unterscheiden
  • Welche Ursachen hinter einer Keratitis stecken – von Bakterien bis UV-Strahlung
  • Wie lange eine Hornhautentzündung dauert und was die Heilung beeinflusst
  • Warum Kontaktlinsenträger ein besonderes Risiko tragen
  • Was passiert, wenn eine Hornhautentzündung nicht rechtzeitig behandelt wird
  • Welche Alltagsregeln während der Erkrankung gelten

Was ist eine Hornhautentzündung – und wie entsteht sie?

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) trübt die normalerweise klare Hornhaut und beeinträchtigt Ihr Sehen. Die Hornhaut liegt vor Pupille und Iris und bündelt zusammen mit der Linse das einfallende Licht auf die Netzhaut.

Eine Frau mit einer Hornhautentzündung beim Augenarzt.

Anders als fast jedes andere Gewebe hat die Hornhaut keine Blutgefäße. Sie versorgt sich über die Tränenflüssigkeit und das Kammerwasser im Auge.

Dafür sitzen in ihr zahlreiche feine Nervenendigungen. Deshalb reagiert sie sehr empfindlich auf Schmerzen.

Bei den Ursachen unterscheiden Augenärzte zwei Gruppen. Die infektiöse Keratitis entsteht durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten.

Die nichtinfektiöse Keratitis hat andere Auslöser wie UV-Strahlung, Chemikalien oder ein trockenes Auge. Welche Ursache vorliegt, entscheidet über die richtige Behandlung.

Kurz gesagt: Die Hornhaut ist das transparente Schutzfenster Ihres Auges. Entzündet sie sich, verliert sie ihre Klarheit – und damit Ihre Sehschärfe.

Symptome einer Hornhautentzündung: Diese Zeichen sollten Sie kennen

Eine Hornhautentzündung macht sich meist deutlich bemerkbar. Typisch sind meist Schmerzen, ein Fremdkörpergefühl und Lichtempfindlichkeit (Photophobie). Schon normales Tageslicht kann dabei unangenehm werden.

Ein wichtiger Hinweis ist das Sekret: bei viraler Ursache eher wässrig, bei bakterieller eher eitrig. In schweren Fällen trübt sich die Hornhaut sichtbar, und manchmal kneift das Lid unwillkürlich zu (Blepharospasmus).

Ist Ihr Auge seit über einem Tag gerötet und schmerzt zusätzlich, steckt möglicherweise mehr dahinter als eine einfache Reizung.

SymptomHornhautentzündungBindehautentzündung
Schmerzenstarkleicht
Lichtempfindlichkeitausgeprägtselten
Sehverschlechterunghäufigselten
Sekretwässrig oder eitrigwässrig oder eitrig
Dringlichkeithochmeist abwartend möglich

Dieser Artikel ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.

Ursachen der Hornhautentzündung: Von Bakterien bis UV-Strahlung

Eine Hornhautentzündung hat viele Auslöser, unterteilt in infektiöse und nichtinfektiöse Ursachen.

Die bakterielle Keratitis ist die häufigste Form. Erreger wie Staphylokokken, Streptokokken oder Pseudomonas aeruginosa dringen meist über kleine Schäden der Hornhaut ein.

An zweiter Stelle steht die virale Keratitis. Wichtigste Auslöser sind das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV 1) und Adenoviren.

Gut zu wissen: Adenoviren – die Erreger der sogenannten Augengrippe – sind hochansteckend. Betroffene sollten für etwa zwei Wochen engen Kontakt mit anderen Personen meiden.

Pilzinfektionen (etwa durch Candida oder Aspergillus) sind selten. Sie nehmen aber im Zusammenhang mit Kortison- und Antibiotikaeinsatz zu.

Besonders gefährlich ist die parasitäre Keratitis durch Akantamöben, die über Leitungswasser ins Auge gelangen.

Auch ohne Erreger entsteht eine Entzündung: durch UV-Strahlung, Chemikalien, trockenes Auge (Sicca-Syndrom), rheumatische Erkrankungen oder ungenügenden Lidschluss.

Kontaktlinsen als Risikofaktor: Was Träger wissen müssen

Kontaktlinsen erhöhen das Risiko für eine Hornhautentzündung. Sie liegen als Fremdkörper auf dem Tränenfilm und beeinträchtigen die Sauerstoffversorgung der Hornhaut.

Eine Patientin mit einer Kontaktlinse – ein Risikofaktor bei einer Hornhautentzündung.

Damit sinkt die natürliche Abwehr der Hornhaut, und Keime finden leichter Halt.

Drei Faktoren erhöhen das Infektionsrisiko deutlich: zu lange Tragezeiten, unzureichende Reinigung und schlecht sitzende Linsen. In der Fachliteratur gelten Linsen deshalb als „Brutkasten für Keime“.

Besonders wichtig: Spülen Sie Ihre Linsen nie mit Leitungswasser. Das ist ein bekannter Übertragungsweg für die Akantamöben-Keratitis.

Bei Beschwerden nehmen Sie die Linsen sofort heraus. Setzen Sie sie erst wieder ein, wenn die Symptome vollständig abgeklungen sind – meist nach 2 bis 4 Wochen.

Kurz gesagt: Wenn Sie Kontaktlinsen tragen und Schmerzen oder Rötung bemerken – auch nach dem Herausnehmen der Linsen – holen Sie zeitnah augenärztlichen Rat ein.

Diagnose: So untersucht der Augenarzt die Hornhaut

Zur Abklärung einer Hornhautentzündung nutzt der Augenarzt vor allem die Spaltlampe, ein Mikroskop mit spaltförmigem Licht. Mit der Spaltlampe lässt sich die Hornhaut detailliert beurteilen – insbesondere die Tiefe der Entzündung, Gewebstrübungen und mögliche Geschwüre (Ulzerationen).

Am Anfang steht die Anamnese. Wichtig sind Fragen zum Tragen von Kontaktlinsen, zur UV-Belastung sowie zu Vorerkrankungen, Allergien und Medikamenten.

Besteht Verdacht auf Bakterien oder Pilze, entnehmen wir einen Abstrich. Die Laboranalyse sichert den Erreger und zeigt, welche Behandlung passt.

Ob die Entzündung infektiös oder nicht infektiös ist, bestimmt die gesamte Behandlungsstrategie.

Gut zu wissen: Rezeptfreie Augentropfen aus der Apotheke sind bei einer Hornhautentzündung keine Lösung. Gerade bei einer infektiösen Keratitis geht durch Selbstbehandlung wertvolle Zeit verloren – die Ursache muss ärztlich geklärt werden.

Ein akutes rotes Auge mit Sehverschlechterung oder Schmerzen gehört immer augenärztlich untersucht.

Behandlung der Hornhautentzündung: Was wirklich hilft

Die Behandlung einer Hornhautentzündung richtet sich nach der Ursache. Deshalb steht am Anfang immer die genaue Diagnose.

Bei einer bakteriellen Keratitis verordnen wir antibiotische Augentropfen, in schweren Fällen zusätzlich Antibiotika als Tablette. Diese Form gilt als augenärztlicher Notfall.

Eine virale Keratitis durch Herpesviren (HSV) behandeln wir mit antiviralen Salben und Tabletten. Kortison setzen wir nur unter strenger Kontrolle ein.

Bei einer Pilzkeratitis helfen antimykotische Präparate. Diese Behandlung dauert oft länger.

Eine nicht-infektiöse Keratitis verlangt, die Ursache zu beseitigen, etwa Tränenersatzmittel bei trockenem Auge, konsequenten UV-Schutz oder das Absetzen auslösender Medikamente.

Während der Behandlung pausieren Sie Kontaktlinsen. In der Praxis gilt: Augen nicht reiben, Bildschirmarbeit reduzieren und helles Licht meiden.

Kurz gesagt: Selbstbehandlung mit rezeptfreien Augentropfen ist bei Keratitis keine Lösung. Die Ursache bestimmt das Mittel – und die falsche Behandlung kann den Verlauf verlängern.

Dauer und Verlauf: Wann heilt eine Hornhautentzündung ab?

Wie schnell eine Hornhautentzündung abheilt, hängt von der betroffenen Schicht und der Ursache ab.

Eine Patientin bei der Benutzung von Augentropfen gegen ihre Hornhautentzündung.

Die äußerste Schicht, das Hornhautepithel, kann sich erneuern. Bei oberflächlichen Schäden geschieht das oft schon innerhalb von Stunden bis Tagen.

Anders die innerste Schicht, das Hornhautendothel. Schäden am Endothel bleiben dauerhaft, da sich diese Zellschicht nicht erholt.

Eine UV-bedingte Keratitis heilt bei richtiger Behandlung meist folgenlos ab. Eine virale Keratitis durch Herpes-simplex-Viren kann dagegen wiederkehren und führt bei wiederholten Infektionen zu Narben und nachlassender Sehschärfe.

Bleibt eine Keratitis unbehandelt, drohen dauerhafte Hornhautnarben und schwerer Sehverlust. Im Extremfall kann eine Hornhauttransplantation an einer spezialisierten Klinik nötig werden.

Gut zu wissen: Herpetische Keratitis neigt zu Rückfällen. Wer einmal betroffen war, sollte Stress, starke UV-Exposition und Immunschwäche als mögliche Auslöser im Blick behalten.

Ist eine Hornhautentzündung ansteckend?

Das hängt vom Erreger ab. Manche Formen sind ansteckend, viele nicht.

Eine bakterielle oder pilzbedingte Keratitis übertragen Sie in der Regel nicht direkt von Mensch zu Mensch. Anders bei Viren.

Die virale Keratitis durch Adenoviren löst die Augengrippe aus und ist hochansteckend. Das Herpes-simplex-Virus ist weit verbreitet und wird über direkten Kontakt übertragen.

Eine aktive Augenentzündung erhöht das Übertragungsrisiko.

Bei jeder aktiven Entzündung gelten einfache Regeln: gründlich Hände waschen, kein gemeinsames Handtuch, keine Augenkosmetik teilen. So schützen Sie Ihre Mitmenschen und vermeiden, den Erreger ins zweite Auge zu tragen.

Kurz gesagt: Ob eine Hornhautentzündung ansteckend ist, hängt vom Erreger ab. Bei Unsicherheit gilt: Abstand halten und den Augenarzt fragen.

Häufige Fragen zur Hornhautentzündung

Wie lange dauert eine Hornhautentzündung?

Die Dauer hängt von Ursache und Schweregrad ab. Bei einer Kontaktlinsen-bedingten Infektion klingen die Symptome typischerweise innerhalb von 2 bis 4 Wochen ab. Oberflächliche Schäden am Hornhautepithel regenerieren sogar innerhalb von Stunden bis Tagen. Eine bakterielle Keratitis gilt jedoch als augenärztlicher Notfall und braucht sofortige Behandlung. Vermeiden Sie während der Heilung weitere Reize.

Kann ich mit einer Hornhautentzündung arbeiten und Bildschirme nutzen?

Bildschirmarbeit ist problematisch, denn exzessive Bildschirmarbeit gilt selbst als Auslöser einer nicht-infektiösen Keratitis über trockene Augen. Zusätzlich verstärkt helles Licht die Schmerzen. Während der Heilung sollten Sie weitere Reize konsequent vermeiden. Sprechen Sie mit Ihrer Augenärztin über eine Krankschreibung, besonders bei starken Schmerzen oder deutlich reduzierter Sehstärke.

Wann darf ich nach einer Hornhautentzündung wieder Kontaktlinsen tragen?

Tragen Sie während einer Hornhautinfektion keine Kontaktlinsen, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind. Das geschieht in der Regel innerhalb von 2 bis 4 Wochen. Kontaktlinsen sind ein Fremdkörper im Auge und schwächen die Abwehr der Hornhaut. Lassen Sie sich vor dem Wiedereinsetzen augenärztlich bestätigen, dass die Entzündung ausgeheilt ist.

Kann eine Hornhautentzündung dauerhaften Sehverlust verursachen?

Ja, eine unbehandelte Hornhautentzündung kann zur Erblindung des betroffenen Auges führen. Bei bakterieller Keratitis verläuft die Schädigung über Einschmelzungen, Ulzerationen und Perforation bis zur Endophthalmitis. Im Extremfall muss das Auge entfernt werden. Das Hornhautendothel kann sich nach Schäden nicht erholen. Suchen Sie bei akut rotem Auge, Schmerzen oder reduzierter Sicht sofort augenärztliche Hilfe.

Kann eine Hornhautentzündung immer wiederkommen?

Ja, besonders bei einer Herpes-simplex-Infektion ist eine Rückkehr möglich. Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 verbleibt dauerhaft in den Nervenzellen und kann sich immer wieder reaktivieren. Wiederholte Herpes-Infektionen führen zu Vernarbungen und dauerhaft reduzierter Sehstärke. Auch nicht-infektiöse Auslöser wie trockene Augen oder rheumatische Erkrankungen können Beschwerden wiederholen. Klären Sie wiederkehrende Symptome augenärztlich ab.

Wird die Behandlung einer Hornhautentzündung von der Krankenkasse übernommen?

Die medizinisch notwendige Behandlung einer Hornhautentzündung ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung – Diagnostik und Therapie einer Keratitis werden also von der Kasse übernommen. Reine Selbstzahler- oder Zusatzleistungen können davon ausgenommen sein; mögliche Zuzahlungen besprechen wir im Vorfeld transparent mit Ihnen.

Was ist der Unterschied zwischen Hornhautentzündung und Bindehautentzündung?

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) betrifft die transparente Hornhaut vor Pupille und Iris, eine Bindehautentzündung betrifft die Bindehaut – eine Schleimhaut, die das Weiße des Auges (Lederhaut) bedeckt und die Innenseite der Augenlider auskleidet. 

Sind beide Strukturen betroffen, spricht man von einer Keratokonjunktivitis. Die Hornhaut hat keine Blutgefäße, enthält aber zahlreiche Nervenenden und ist dadurch stark schmerzempfindlich. Lassen Sie ein akut rotes, schmerzendes Auge immer augenärztlich untersuchen.

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Ein akut gerötetes, schmerzendes Auge mit reduzierter Sehstärke gehört immer in augenärztliche Hände. Im Augenzentrum Zimmermann untersuchen wir Ihre Hornhaut, klären die Ursache und leiten die passende Therapie ein.

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