Makuladegeneration (AMD): Symptome, Formen und Behandlung

Von |Published On: Juli 24th, 2026|10,1 min read|Last Updated: August 5th, 2026|

Eine Makuladegeneration führt in der Regel nicht zur vollständigen Erblindung. Ihre Orientierungsfähigkeit bleibt erhalten – auch im fortgeschrittenen Stadium.

Diese chronische Erkrankung trifft die Makula, das Zentrum Ihrer Netzhaut und den Ort des schärfsten Sehens. Bei der AMD kommt es zu komplexen altersbedingten Veränderungen der Netzhaut und ihrer Stoffwechselprozesse. Dadurch werden die Sinneszellen der Makula zunehmend geschädigt.

Betroffen ist das zentrale Sehen: Lesen, Autofahren, Gesichter erkennen. Das äußere Gesichtsfeld bleibt in der Regel erhalten.

In westlichen Industrienationen ist die AMD die häufigste Erblindungsursache und für rund 30 % aller Neuerblindungen verantwortlich. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu. Während jüngere Senioren vergleichsweise selten betroffen sind, steigt der Anteil bei Menschen über 80 Jahre deutlich an.

Das Problem: Die Erkrankung verursacht keine Schmerzen. Oft fällt sie erst auf, wenn das zweite Auge bereits betroffen ist.

Genau deshalb lohnt es sich, die Frühzeichen zu kennen – und zu wissen, was Sie selbst prüfen können.

Das erfahren Sie hier

  • Was die Makula ist und warum sie so wichtig für das Sehen ist
  • Wie sich trockene und feuchte AMD unterscheiden – und was das für den Verlauf bedeutet
  • Welche Symptome auf eine AMD hinweisen können
  • Wie Sie mit dem Amsler-Gitter Ihr Sehen selbst testen können
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten bei feuchter AMD zur Verfügung stehen
  • Wann eine augenärztliche Vorsorge sinnvoll ist – auch ohne Beschwerden

Was ist die Makula – und warum ist sie so entscheidend?

Die Makula (Macula lutea, „Gelber Fleck“) liegt im Zentrum der Netzhaut. Sie ist der Ort des schärfsten Sehens.

Eine anatomische Darstellung der Makula (Gelber Fleck).

Lesen, Gesichter erkennen und Autofahren – all das steuert die Makula.

Bei einer Makuladegeneration (AMD) schädigt eine Stoffwechselstörung die lichtempfindlichen Zellen der Makula. Abfallprodukte werden nicht mehr ausreichend abgebaut und lagern sich unter der Netzhaut ab.

Die Erkrankung betrifft meist beide Augen, oft mit zeitlichem Abstand.

Das periphere Sehen am Rand des Gesichtsfelds bleibt erhalten. Zu einer vollständigen Erblindung kommt es bei AMD in der Regel nicht.

Kurz gesagt: AMD schädigt das zentrale Sehen – das Sehen für Details. Das Orientierungssehen am Rand des Gesichtsfelds bleibt erhalten.

Trockene und feuchte AMD: Die zwei Formen im Vergleich

Die Makuladegeneration tritt in zwei Formen auf: trocken und feucht. Beide betreffen die Makula, verlaufen aber sehr unterschiedlich.

Die trockene AMD schreitet langsam fort. Über Jahre lagern sich gelbliche Ablagerungen (Drusen) unter der Netzhaut ab, und lichtempfindliche Zellen gehen allmählich zugrunde.

Die feuchte AMD verläuft schneller. Hier wachsen neue, undichte Blutgefäße unter der Netzhaut (Neovaskularisation). Aus diesen tritt Flüssigkeit aus – innerhalb von Wochen kann das die zentrale Sehkraft erheblich verschlechtern.

Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich aus einer trockenen AMD eine feuchte AMD.

MerkmalTrockene AMDFeuchte AMD
Verlauflangsam fortschreitendschnell, aggressiv
Häufigkeitca. 85 % aller Fälleca. 15 % der Fälle
CharakteristikDrüsen-Ablagerungen, langsamer ZelluntergangGefäßneubildungen, Flüssigkeitsaustritt, Narben
Behandelbarkeitkeine wirksame Standardtherapie bekannt; für bestimmte Patientengruppen können AREDS2-Nahrungsergänzungen das Fortschreiten verlangsamen
IVOM-Therapie (Anti-VEGF) verfügbar
Gut zu wissen: Weil die trockene Form jederzeit in die feuchte übergehen kann, sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sinnvoll. So lässt sich ein Wechsel früh erkennen.

Symptome der Makuladegeneration: Was Sie bemerken können

Eine AMD macht sich vor allem im Zentrum Ihres Blickfelds bemerkbar. Was Sie direkt anschauen, erscheint verschwommen oder verzerrt – der Rand bleibt klar.

Gerade Linien wirken plötzlich wellig oder gebogen. Ein Türrahmen oder die Fugen zwischen Fliesen erscheinen krumm. Manche bemerken einen dunklen oder grauen Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds.

Auch Farben verändern sich. Sie wirken blasser, und Kontraste sind schwerer zu erkennen. Beim Lesen verschwimmen Buchstaben, und Gesichter erkennen Sie schwerer als früher.

Diese Erkrankung verursacht keine Schmerzen. Genau das macht sie zum Problem.

Ihr Gehirn gleicht fehlende Bildinformationen des betroffenen Auges aus. Solange das zweite Auge gut sieht, kompensiert es die Schwäche. Viele Betroffene bemerken die AMD deshalb erst, wenn bereits beide Augen betroffen sind.

Gut zu wissen: Testen Sie jedes Auge einzeln. Decken Sie abwechselnd ein Auge ab und schauen Sie auf eine gerade Linie (z. B. eine Türkante). Erscheint die Linie verzerrt oder unterbrochen, ist eine augenärztliche Untersuchung empfehlenswert.

Altersweitsichtigkeit oder AMD? So erkennen Sie den Unterschied

Eine Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) lässt sich mit einer Lesebrille zuverlässig ausgleichen. Eine Makuladegeneration (AMD) nicht – hier bleibt die Sehschärfe in der Bildmitte beeinträchtigt.

Ein Mann mit Altersweitsichtigkeit und einer Lesebrille.

Bei der Presbyopie ermüdet die natürliche Linse mit den Jahren. Sie sehen in der Nähe unscharf, aber gleichmäßig – gerade Linien bleiben gerade.

Bei der AMD ist es anders. Eine neue Brille hilft nur kurz oder gar nicht, weil die Netzhaut selbst betroffen ist. Linien können verzerrt wirken, ein grauer Fleck kann das Zentrum trüben.

Beides kann gleichzeitig auftreten. Im Frühstadium zeigt sich die AMD nur an der Netzhaut – sichtbar mit speziellen Geräten, lange bevor Sie selbst etwas bemerken. Nur eine augenärztliche Untersuchung schafft hier Klarheit.

Kurz gesagt: Bessert eine neue Brille die Sicht nur kurz und verändert sich die Sehstärke innerhalb weniger Monate erneut? Dann steckt häufig mehr dahinter als eine reine Sehschwäche.

Der Amsler-Gitter-Test: So prüfen Sie Ihr Sehen zu Hause

Mit dem Amsler-Gitter prüfen Sie Ihr zentrales Sehen in wenigen Minuten selbst. Es ist ein Raster aus geraden Linien mit einem Punkt in der Mitte.

Der Test ersetzt keine augenärztliche Untersuchung. Er hilft Ihnen aber, Veränderungen früh zu bemerken.

So gehen Sie vor:

  1. Leseabstand: Halten Sie das Gitter etwa 30 Zentimeter vor Ihr Gesicht. Tragen Sie dabei Ihre Lesebrille, falls Sie eine haben.
  2. Ein Auge abdecken: Decken Sie ein Auge ab und fixieren Sie ruhig den Mittelpunkt.
  3. Linien beobachten: Prüfen Sie, ob die Linien gerade verlaufen oder verzerrt, unterbrochen oder grau erscheinen.
  4. Seite wechseln: Wiederholen Sie den Test mit dem anderen Auge.

Erscheinen Linien verbogen oder fehlen Felder, vereinbaren Sie zeitnah eine augenärztliche Kontrolle.

In unserer Praxis sehen wir oft, dass eine beginnende AMD unbemerkt bleibt – sie verursacht im Frühstadium meist keine spürbaren Beschwerden.

Action Step: Drucken Sie das Amsler-Gitter aus oder nutzen Sie eine Online-Version. Führen Sie den Test regelmäßig durch – besonders, wenn Sie über 55 sind oder AMD in Ihrer Familie vorkommt.

Ursachen und Risikofaktoren der Makuladegeneration

Der wichtigste Risikofaktor für eine Makuladegeneration (AMD) ist das Lebensalter. Auch Ihre Gene spielen eine Rolle: Sind nahe Angehörige betroffen, steigt Ihr Risiko leicht (Quelle: gesund.bund.de).

Hinzu kommt ein Faktor, den Sie selbst in der Hand haben: Rauchen gilt als einer der stärksten vermeidbaren Risikofaktoren.

Weitere Einflüsse wie UV-Strahlung, die Ernährung sowie entzündliche und toxische Prozesse in der Netzhaut werden diskutiert.

Vieles davon können Sie beeinflussen. Ein Rauchstopp, guter Sonnenschutz mit UV-Filter und eine ausgewogene Ernährung mit Lutein und Zeaxanthin können die Augengesundheit unterstützen. Diese Pflanzenstoffe stecken zum Beispiel in Grünkohl und Spinat.

Kurz gesagt: Alter und Gene lassen sich nicht ändern. Aber das Rauchen aufzugeben und die Augen vor UV-Strahlung zu schützen sind konkrete Schritte gegen das AMD-Risiko.

Diagnose und Behandlung: Was beim Augenarzt passiert

Eine Makuladegeneration (AMD) erkennt der Augenarzt mit mehreren Untersuchungen. Dazu gehören Sehtest, Amsler-Test und eine Spiegelung des Augenhintergrundes.

Eine Darstellung des Amsler-Gitter-Tests. Auf der linken Seite mit normalem Sehen und rechts mit Makuladegeneration.

Genauer wird es mit modernen Bildgebungsverfahren. Die OCT (Optische Kohärenztomographie) zeigt feine Schichten der Netzhaut. Bei der Fluoreszein-Angiographie macht ein Farbstoff undichte Gefäße sichtbar.

Mit der OCT lassen sich viele frühe Netzhautveränderungen bereits erkennen, bevor deutliche Beschwerden auftreten – schmerzfrei und in wenigen Minuten.

Bei der trockenen AMD ist derzeit keine wirksame Standardtherapie bekannt; für bestimmte Patientengruppen können AREDS2-Nahrungsergänzungen das Fortschreiten verlangsamen. Im Vordergrund stehen regelmäßige Kontrollen und Anpassungen des Lebensstils.

Die feuchte AMD lässt sich mit der IVOM-Therapie behandeln. Dabei spritzt der Arzt sogenannte Anti-VEGF-Wirkstoffe direkt ins Auge – meist in mehreren Behandlungen über einen längeren Zeitraum. Das kann das Fortschreiten verlangsamen und die Sehkraft in vielen Fällen erhalten.

Beide Formen sind nicht heilbar. Früh erkannt, lässt sich der Verlauf jedoch deutlich beeinflussen.

Gut zu wissen: Dieser Artikel ersetzt keine augenärztliche Untersuchung. Bei verzerrten Linien oder einem Fleck im Zentrum sollten Sie zeitnah einen Augenarzt aufsuchen.

AMD im Alltag: Was bleibt erhalten – und was verändert sich

Eine Makuladegeneration (AMD) verändert vor allem das zentrale Sehen. Lesen, Fernsehen und das Erkennen von Gesichtern werden mit der Zeit schwerer. Je nach Ausprägung der Erkrankung kann auch die Fahreignung eingeschränkt sein.

Ihr äußeres Gesichtsfeld bleibt jedoch erhalten. Sie können sich weiterhin im Raum und in Ihrer Umgebung orientieren.

Viele Patientinnen und Patienten fragen uns zuerst, ob sie erblinden. Diese Sorge können wir meist nehmen: Eine AMD führt in der Regel nicht zu vollständiger Erblindung.

Im Alltag helfen einfache Hilfsmittel. Lupen, eine gute Beleuchtung und digitale Vergrößerungshilfen erleichtern das Lesen und feine Tätigkeiten spürbar.

Auch Beratung kann entlasten. Das AMD-Netz e.V. (gegründet 2011) bietet eine Beratungshotline, ein Adressverzeichnis und psychologische Unterstützung.

Häufige Fragen

Ist Makuladegeneration heilbar?

Nein, beide Formen der AMD sind derzeit nicht heilbar. Bei der trockenen AMD sind bislang keine wirksamen ursächlichen Behandlungsmöglichkeiten bekannt. Bei der feuchten AMD lässt sich das Sehvermögen jedoch häufig erhalten, manchmal sogar verbessern.

Wie schnell schreitet die Makuladegeneration fort?

Das hängt von der Form ab. Die trockene AMD, mit rund 85% aller Fälle die häufigste, schreitet langsam fort und zerstört lichtempfindliche Zellen schrittweise. Die feuchte AMD verläuft dagegen schnell und aggressiv. Kritisch: Die trockene Form kann jederzeit in die feuchte übergehen. Sobald Sie verzerrte Linien oder einen Fleck im zentralen Gesichtsfeld bemerken, sollten Sie umgehend einen Augenarzt aufsuchen.

Was ist der Unterschied zwischen Grauem Star und Makuladegeneration?

Beides sind unterschiedliche Augenerkrankungen. Die Makuladegeneration betrifft die Makula, das Zentrum der Netzhaut, und beruht auf einer Stoffwechselstörung mit Drusen-Ablagerungen. Sie verursacht keine Schmerzen und führt zum Verlust des zentralen Sehens, während das periphere Orientierungssehen erhalten bleibt. Der Graue Star betrifft dagegen die Augenlinse. Lassen Sie bei Sehverschlechterungen immer abklären, welche Erkrankung vorliegt – die Behandlungen unterscheiden sich grundlegend.

Wird die AMD-Behandlung von der Krankenkasse übernommen?

Die Behandlung der feuchten AMD mit der IVOM-Therapie (Anti-VEGF-Spritzen) ist bei medizinischer Notwendigkeit in der Regel eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Welcher Wirkstoff eingesetzt wird, entscheidet Ihr Augenarzt nach Befund. Einzelheiten klären Sie am besten vor Behandlungsbeginn mit Ihrer Krankenkasse und Ihrer Praxis.

Ab welchem Alter sollte ich meine Augen auf AMD untersuchen lassen?

Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind insbesondere ab dem 50. Lebensjahr oder bei bestehenden Risikofaktoren sinnvoll. Das ist wichtig, weil eine AMD oft erst bemerkt wird, wenn bereits das zweite Auge betroffen ist. Frühe AMD-Veränderungen sind im höheren Alter häufig. Eine Früherkennung ist möglich, bevor Sie selbst eine Beeinträchtigung bemerken. Vereinbaren Sie deshalb regelmäßige Kontrolltermine, statt auf erste Symptome zu warten.

Kann ich mit dem Amsler-Gitter AMD selbst erkennen?

Das Amsler-Gitter ist ein wertvoller Selbsttest, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung. Sie schauen mit jeweils einem Auge separat auf den schwarzen Punkt in der Mitte und prüfen, ob die Linien gerade oder verzerrt erscheinen. Verzerrte oder krumme Linien deuten auf eine mögliche Makulaveränderung hin. Bemerken Sie Verzerrungen, einen Fleck oder verschwommenes Sehen, suchen Sie umgehend einen Augenarzt für eine OCT-Untersuchung auf.

Was kann ich tun, um einer Makuladegeneration vorzubeugen?

Sie können mehrere bekannte Risikofaktoren beeinflussen. Zu den beeinflussbaren Faktoren zählen Rauchen, Ernährung, UV-Strahlung und entzündliche Prozesse. Nicht beeinflussbar sind hohes Lebensalter, genetische Prädisposition und familiäre Vorbelastung. Am wichtigsten bleibt die Früherkennung: Mit dem Rauchen aufzuhören und ab dem 50. Lebensjahr regelmäßige Kontrollen wahrzunehmen, sind die konkretesten Schritte, die Sie heute gehen können.

Vereinbaren Sie einen Termin im Augenzentrum Zimmermann

Das Augenzentrum Zimmermann bietet moderne Diagnostik wie OCT zur Früherkennung der AMD und begleitet Sie bei der Behandlung der feuchten Form. Je früher die Untersuchung, desto mehr zentrales Sehvermögen lässt sich erhalten.

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